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WARNUNG! Die BILD-Zeitung verbietet ihren Gegnern den Mund (und keiner findet etwas dabei!)

Medienwirksam war er, der Afghanistan-Besuch von Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg. Man hatte den Eindruck, hier inszeniert sich einer, vielleicht ein Minister, der sich zu Höherem berufen fühlt? Höchstwahrscheinlich, wenn man die mediale Stimmung im Lande derzeit aufnimmt.

Wenn selbst ein Aufmerksamkeitsmagnet wie Thomas Gottschalk sich nicht mehr scheut vor einem Millionenpublikum, den Verteidigungsminister als (Zitat) Lichtgestalt der deutschen Politik (Zitat Ende) zu bezeichnen und in Deutschlands größtem Boulevardblatt bekennt, er sei dafür, dass zu Guttenberg Kanzler werden solle, kommt man um den Verdacht nicht herum, hier soll mit sehr viel medialem Einfluss eine Person Aufgebaut werden, um das mächtigste deutsche Amt zu bekleiden.

Wohlgemerkt, eine Person, kein politisches Programm!

Ist Karl-Theodor zu Guttenberg tatsächlich der Messias, auf den das deutsche Volk gewartet hat, ist also der Personenkult, der um diesen Mann veranstaltet wird, gerechtfertigt? Wohl kaum, wäre doch eine Kanzlerschaft zu Guttenberg kaum mehr, als eine Fortsetzung der Regierung Merkel, nur eben etwas aristokratischer (royaler) und, wahrscheinlich, konservativer. Nicht zu vergessen sei: zu Guttenberg kommt aus der CSU!

Aber alles das sei dahin gestellt. Was mir an der Berichterstattung über den Familienausflug der Guttenbergs nach Afghanistan missfällt, ist nicht die Schlagzeile: „Stephanie zu Guttenberg? Die finden wir GUTT!“. Immerhin fällt die BILD-Zeitung ja regelmäßig durch schwachsinnige Überschriften auf. Nein, was mir Unbehagen bereitet ist die Unterzeile: Nörgler, Neider und Niederschreiber sollten einfach mal die Klappe halten…

Ach so, wenn ich mich der Haltung der BILD-Zeitung nicht anschließe bin ich also ein Nörgler, Neider oder gar ein Niederschreiber. Klar, das kenne ich doch irgendwoher. War es nicht der ehemelige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der einst sagte: „Wer nicht für uns ist ist gegen uns!“? Kurz darauf ging es in den Irakkrieg mit all seinen katastrophalen Folgen.

Mit derselben Logik wird jetzt versucht, den Afghanistan-Einsatz (oder ist es vielleicht doch ein Krieg?) gegen Kritiker zu verteidigen, eben gegen Nörgler, Neider oder Niederschreiber. Dabei wissen selbst die meisten Soldaten in Afghanistan, dass die deutsche Bevölkerung mehrheitlich gegen diesen (Kriegs-) Einsatz ist. Sie und ihre Probleme sollen nun die Guttenbergs wahrnehmen und die Truppe moralisch aufrichten. Lichtgestalten halt, die das Dilemma und den Schrecken dieses Krieges mit edlem Glanz überstrahlen sollen, nicht nur am Hindukusch sondern auch in der fernen Heimat. Sie sollen laut BILD den Soldaten sagen, die Heimat steht hinter euch! BILD dir deine Meinung …

Wäre die BILD eine US-amerikanische Zeitung wäre das schlimm genug, aber dass so etwas ausgerechnet in Deutschland publiziert wird macht mir ein ungutes Gefühl. Zwar übt die BILD keine Zensur, lenkt aber die öffentliche Meinung in eine äußerst undemokratische Richtung. Wer nicht mitspielt hat gefällst nichts zu melden. Das erinnert an das Gebaren und die Medienmacht eines Silvio Berlusconi. Der politische Gegner wird einfach in die Schmollecke gedrängt.

Was ich aber noch beunruhigender finde ist die Stille. Wo ist der Aufschrei? Wo ist die Empörung über diese Entmündigung politisch Andersdenkender? Oder gibt es die schon gar nicht mehr in unserem Land? Das wäre eine fürchterliche Vorstellung, allerdings auch eine unwahrscheinliche im Land von Gorleben und Stuttgart 21.

Oder fühlen die Zweifler unter uns sich mittlerweile selber als Nörgler, Neider und Niederschreiber und halten vorsichtshalber die Klappe? Ich hoffe nicht!

Die populistische Berichterstattung der BILD-Zeitung ebenso wie die Selbstinszenierung eines medienbewussten Möchtegern-Kanzlers nebst Gattin finde ich jedenfalls NICHT GUTT!

Hier noch eine kleine Umfrage zum Thema: